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Collage, Farbe, Typo (Andrea Unterstraßer 2004/2008/2010)

In der abstrakten Malerei ist eine der Grundfragen folgende: durch was ersetzt man die Figur im Bild und wie ist der Betrachter davon zu überzeugen, daß das, was er sieht, nicht das ist, was dargestellt wird?

In meiner Malerei sieht man an Stelle der Figur nun Rechtecke, Linien und Flächen. Die blockhaften Reihungen erinnern an Architekturen,an städtische Häuserreihen, assoziieren Landschaften oder Anlagen, gesehen aus der
Vogelperspektive. Aber es sind keine realen Bilder, die sich hier formieren, es sind wohl persönliche Erfahrungen, die den Betrachter eigene gesehene Bilder darin wiederfinden lassen. So wie kompositorisch Flächen zusammengebaut,
miteinander vernetzt, gereiht und gelegt, verbunden und abgegrenzt werden, kann man durchaus auch glauben, an mit Werbetafeln und Plakatwänden versehenen Straßenzügen entlangzugehen.

Bei genauem Hinsehen lassen sich aber die Botschaften nicht so ganz entschlüsseln und ablesen. Die verwendeten Schriften sind spiegelverkehrt und in fremden Sprachen oft nur schwer lesbar, oder fragmentarisch und unscharf
eingesetzt. Sie sind nicht Informationsträger, wie wir das von Schriften her seit Kindesbeinen an gewohnt sind, sondern dienen als typographisches Verbindungselement. Diese Blöcke, farblich gegeneinander abgesetzt, sich
aneinanderdrängend und aufgereiht, wie Häuser scheinend, aber dann doch ganz offensichtlich nicht Häuser seiend, sind für mich einfach Bereiche des Tagtäglichen: dies wird gemacht, das erst bedacht, jenes erbracht.

So einiges aus dem Tagtäglichen zerrt mich zu einer neuen Arbeit. Eine interessante Form hier, ein Gedanke da, ein Ausdruck dort, und unmerklich kommt etwas zusammen.

„Die Künstlerin greift zu oder sie pickt sich etwas raus. Hier eine Farbe, dort eine Form. Sie reichert ihre Bilder an mit unhörbarem Klang, mit Assoziationen und Gesang. Hier wird das Fremde zu ihrem und dort wird ihres zum Fremden.
[…] Sie kennt sich aus, baut sich Glücksnester, nährt ihre Bilder und nährt sich aus ihren Bildern. Sie probiert, webt und spinnt und fügt und fusioniert aus allem und in allem, was ihr brauchbar und vielversprechend erscheint.
Manchmal beginnt alles mit einem winzigen, roten Buchstaben. Einem roten T und dann kommt „ime“, kommt Zeit, kommt Form und bekommt sie Flügel und fliegen Schmetterlinge auf Zeichenstengel, wird ein blauer Stoff versilbert oder eine Leinwand blau.“
(Cornelia Kleÿboldt, M.A. 2009)

Mag schon sein, daß es viele Schichten sind, die mich charakterisieren. Meistens denke ich darüber gar nicht nach, aber ich lege tatsächlich Schicht um Schicht in meine Arbeiten.
Sie zeigen mir meine Schichten. Ich kann ihnen nicht entkommen.